C.F. Ramuz (1878-1947)
Das Wallis hat das Matterhorn, um den Himmel zu messen, und die Rhone, um die Erde zu messen.
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(…) wenn die Wasserfälle dort oben überall an den Felsen wie Fäden hängen, brechen die Gletscher, stürzen die Eismassen ein, und die Schneeplatte auf ihren Rändern wird immer kleiner, als ob eine Wäschebeschliesserin mit ihrer Schere hineinschneiden würde.
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(…) der Rotten bringt die Höhe mit sich. Als Kind der Berge führt er ihr Klima, ihre reine Luft mit sich; er ist ein Sohn der Höhen, er behält ihre Wildheit und den Schwung, den er sich auf ihren Flanken geholt hat und der ehrlich gesagt nicht nachlässt, nie; er wird ihn während seines ganzen Laufs beibehalten.
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(… ) In diesem Teil des Dorfes haben die Häuser auf der Vorderseite zweifarbige Mauern, unten weiss, oben braun; im anderen überragt die niedrigere Rückwand kaum den engen Durchgang zwischen ihnen und der nächsten Häuserreihe; sie sind schwarz und weiss nach vorn hin, sind nach vorn hin reinlich geordnet, getrennt wie in einem Garten die Bienenstöcke; hinten hinaus ganz schwarz und verschwommen in dem Schatten, den sie auf den morastigen Durchgang werfen.
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Ich sehe die gelbliche Erde wieder, fett, glitschig, auf der die Nackt- und die Weinbergschnecken herumkriechen, einen Silberstreifen hinter sich lassend; die grossen Beeren mit den grünen, eng zusammengedrängten Kernen oder jene mit den weiter auseinanderliegenden Kernen, auf der Seite zur Sonne braun gefleckt und manchmal in einem Blatt verfangen, das sie daran hinderte, zu uns zu gelangen, sobald der Stiel abgeschnitten worden war.
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Es riecht stark und heiss, es riecht nach Erde, die unter der Sonne gedampft hat, nach trockenem Gras, nach Thymian, nach Minze (…) nach heissem Stein, nach Korn, das bald reifen wird, und nach dem Versprechen der Traube.
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Und in diesem Augenblick hörten sie um sich herum etwas wachsen, das unmenschlich war und auf die Dauer nicht zu ertragen: die Stille. Die Stille des Hochgebirges, die Stille dieser verlassenen Zonen, wo der Mensch nur zeitweise auftaucht; da muss einer nur zufällig selbst still sein, so kann er lang hinhorchen, er hört nur, dass er nichts hört.
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Wie merkwürdig! Hier ist man weit weg von allem und doch gleichzeitig allem so nah. (…) Alles ist abgeschlossen und doch ist alles offen; es ist immer so gewesen und wird immer mehr so sein: wegen der zwei oder drei Pässe, die der Mensch ohne allzu viel Mühe überwinden kann, und wegen des Laufs eines Flusses, dem der Mensch stromaufwärts zu folgen vermag.
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Jene, die ich liebe, jene unter uns, die von den Weinbergen kommen, von den Hügeln und Hängen, auf denen die Reben gedeihen; jene, denen der junge Frühling sagt: „Pflanze die Rebstöcke!“, der Sommer: “Entferne die Blätter!“ und dann: “Schwefle!“, der Herbst: “Ernte und presse!“ und der Winter: “Jetzt geh und mach die Mauern neu!“ Und jede Jahreszeit sagt
zu ihnen: “Arbeite!“ Und weil die Jahreszeiten regelmässig wiederkehren, arbeiten sie regelmässig; sie müssen nichts anderes als gehorchen.
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Man sah diese Fassaden aus alten Balken, die rot waren oder braun oder schwarz, auf Sockeln, die kalkig geworden waren. Man sah, dass die Dächer nah beieinanderstanden, sie hatten sich zusammengetan, weil sie zusammensein wollten.
Quelle: Buch "Wallis, Leib & Seele"

