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Die Talente des Wallis

Lebendige Kultur und fruchtbares Wissen

Die Kraft der Tradition, der Geist der Innovation
Seine lange Bauern- und Hirtentradition hat das Wallis gelehrt, der Zeit zu trotzen – und ihm gleichzeitig den Mut zur Innovation verliehen. Seit seiner industriellen und wirtschaftlichen Revolution weiss der Kanton um die Gefahr des Fortschritts, der bewährte Werte erschüttern, aber auch den Grundstein für eine neue Gesellschaft legen kann. Die grossen hydroelektrischen Bauwerke – das Wasser ist im Wallis ein bedeutenderRohstoff – und der Tourismus waren die ersten Bereiche, die vom allgemeinen Fortschritt profitierten. International herausragende Leistungen der pharmazeutischen und biotechnischen Industrie sowie der Spitzentechnologie zeugen nicht nur von der Fähigkeit der Walliser, sich immer wieder neu zu erfinden, sondern auch von einer gewissen technischen Kühnheit. Hat die erste schnurlose telegrafische Verbindung nicht zwischen Salvan und Les Marécottes (1,5 km) im Jahr 1895 stattgefunden, und wurde der Verbrennungsmotor nicht von einem Walliser – namentlich von Isaac de Rivaz – erfunden, genauso wie der Asphalt von Ernest Guglielminetti, dem berühmten “Doktor Goudron“? Seit mehr als einem Jahrhundert ist der Tourismus, der die Bergregionen nachhaltig stärkt und belebt, das Herzstück der kantonalen Wirtschaft. DasWallis gilt auf nationaler Ebene als die Ferienregion schlechthin, und die Namen seiner Ferienorte bringen auch Menschen aus dem übrigen Teil derWelt zum Träumen. Seine hochwertige Landwirtschaft hat sich zu modernisieren und zu diversifizieren gewusst, was zum Weiterbestand zahlreicher Bauernbetriebe beigetragen hat. Eine Leistung, die umso beachtenswerter ist, als dass die landwirtschaftliche Tradition für die Walliser von wesentlicher Bedeutung ist.

Der Wohnraum, Spiegel der Lebensart
Die Menschen und das Vieh haben die Verschiedenartigkeit der Walliser Landschaft seit je für sich zu nutzen gewusst und verbrachten einst den Winter in ihren Dörfern in der Ebene oder in den Seitentälern. Im Frühling stiegen sie dann zu den Maiensässen auf, wo sie einige Wochen blieben, bevor sie auf die Alpweiden weiterzogen. All diese Wanderungen “hinauf und hinunter“ sowie der Bau der Staudämme, welche die Geografie und die Lebensweise stark beeinflusst haben, haben eine wenig markante Wohnkultur hervorgebracht, die für das Wallis dennoch typisch ist. Da sind die malerischen Weiler über der Ebene, die weit verstreuten Dörfer in der Höhe, die einsamen Chalets, die von einem einst schwierigen und kargen Leben erzählen, das jedoch von der Gemeinschaft mitgetragen wurde. So viele Andenken, so viele liebgewordene Kostbarkeiten… Die heutige Architektur, weltoffen und zeitgemäss, die zum Teil unter der stark präsenten Vergangenheit und der zuweilen etwas brüsken Modernität gelitten hat – mit einem Fuss in der Scholle, mit dem anderen in der Stadt –, scheint seit einigen Jahren die umsichtige Entwicklung eines harmonischen Gleichgewichts anzustreben. Alphütten, Chalets, “Spycher“ (Walliser Vorratsspeicher) und Rebhäuschen aus Stein und Holz prägen die Landschaft landauf und landab und zeugen vom überlieferten Wissen der Bergbauern. Sich am Hang unter dem Aspekt des bestmöglichen Schutzes auszurichten, ist hier eine vollendete Kunst. Es scheint, dass die Walliser eine gleichermassen sinnenfrohe wie pragmatische Konzeption vom Wohnen haben – genauso wie vom Leben im Allgemeinen.

Talente am Werk
Das Wissen um den Weinberg und das Wasser wird im Wallis von Generation zu Generation weitervererbt. Mehr als 22 000 Besitzer teilen sich das Weinanbaugebiet, das sich von der Rhoneebene über die Talflanken bis in erstaunliche Höhen hinauf erstreckt. Diese Rebstöcke, die vom Föhn liebkost, von der Sonne gewärmt und von der Bevölkerung gesegnet werden, bringen Weine in verschiedenen Geschmacksrichtungen hervor, die jedoch alle vom selben Fachwissen, von der gleichen Lebensfreude zeugen. Pa capona! Mit dieser Devise im Mund – die in Etwa bedeutet: Aufgeben kommt nicht infrage! – haben die Dorfbewohner von Savièse vor rund fünfhundert Jahren die schwindelerregenden Hänge vom Prabé in Angriff genommen, um die sich, wen wunderts, zahlreiche Feen- und Teufellegenden ranken. Mit gesundem Menschenverstand, praktischem Wissen und einfachen Arbeitsmitteln, vor allem aber mit viel Ausdauer und Mut haben sie hier in diesem unwegsamen Gelände auf zuweilen äusserst waghalsige Weise Suonen gebaut, wahre Meisterwerke, die heute noch vom Erfindungsgeist und vom vitalen Gemeinschaftsleben der Dorfbewohner zeugen. Später schreibt der Bau der grossen Staudämme Geschichte – namentlich jener der Grande Dixence –, wo das Alte und das Neue aufeinanderprallen und wo “ein starkes, klares Gemisch von Leiden und Freuden“ * entsteht. Heute legen immer mehr weitsichtige Walliser bei ihrem Wirken und Schaffen Wert auf Begriffe wie Qualität, Anspruch, Ehrlichkeit. Dieser Haltung zugrunde liegt das Konzept Valais Excellence, das all jene Unternehmen anspricht, die die Philosophie der nachhaltigen Entwicklung teilen. Valais Excellence vereinigt all diese vitalen Energien miteinander, damit man zuversichtlich einer gemeinsamen, tragfähigen Zukunft entgegenschreiten kann. *Maurice Chappaz

Erholung, Entspannung, Erlebnis
1838 eröffnet Josef Lauber das erste Hotel in Zermatt; es hat nur drei Betten. Damit beginnt die Entwicklung des Alpintourismus im Wallis, der sich zuerst auf die von majestätischen und symbolträchtigen Gipfeln umgebenen Bergdörfer beschränkt, sich dann aber mit dem unerwarteten Aufkommen des Wintersports in alle Regionen ausbreitet. Die Städter kommen hierher, um die frische Luft, die Sonne, die Natur und die Gastfreundschaft der Walliser zu geniessen. Das kulturelle Leben im Wallis, das den höchsten Ansprüchen genügt, zeichnet sich durch seine Dynamik aus, die sowohl im Engagement zahlreicher Verbände und Vereine als auch in der Anziehungskraft von kulturellen Stätten wie der Fondation Gianadda und einer breiten Palette von Museen wurzelt. Darüber hinaus finden jedes Jahr im ganzen Wallis viele populäre Festivals mit so unterschiedlichen Schwerpunkten wie Wein- und Speisedegustationen, Musik oder Brauchtum statt. Und jedes Mal ist die Freude an der Begegnung mindestens genauso gross wie jene an der Entdeckung. Sport, der integrierter Bestandteil der hiesigen Lebensart ist, wird mit grosser Passion betrieben, was sich in der hochmodernen Infrastruktur und in der Fülle der angebotenen Aktivitäten widerspiegelt. Mehrmals im Jahr werden prestigeträchtige Sportanlässe von internationalem Renommee durchgeführt. Die Patrouille des Glaciers, einer der grössten Wettkämpfe im Bereich Ski-Alpinismus, verdeutlicht wie kaum ein zweiter Anlass die Liebe der Walliser zu ihren Bergen und zu ihren Spitzensportlern. Ungebrochener Beliebtheit erfreuen sich auch die Ringkuhkämpfe, die von Eringerkühen ausgefochten werden. Mehrere tausend Zuschauer sind jedes Jahr am kantonalen Finale zugegen. Eine willkommene Gelegenheit zum Austausch und zur Begegnung – so, wie es der Walliser Lebensart entspricht.

Die Ambitionen der Künstler. Aller Künstler
Weit von den zuweilen etwas oberflächlichen Künstlerkreisen und ihren Querellen entfernt, hat das Wallis zur Kunst ein eher konkretes, pragmatisches, “ortsverbundenes“ Verhältnis, das auf die lange Tradition des gemeinschaftlichen Wirkens und Schaffens in den Dörfern zurückzuführen ist. Für alle Kunstrichtungen gibt es kleinere Zentren und Treffpunkte, wo Kreativität in einer offenen und anregenden Atmosphäre “gelebt“ wird. Die Musik – von der traditionellen Volksmusik bis zur zeitgenössischen – ist hierzulande zweifellos die beliebteste Kunstform. Die lange Tradition der Blasmusik ist in der Gesellschaft immer noch lebendig und wird nach wie vor auch im Rahmen von politischen Anlässen gepflegt. Gleichzeitig Muse und Modell, hat die lyrische Walliser Landschaft die Künstler von jeher zu inspirieren vermocht. Die Maler – namentlich jene der renommierten Savièser Schule – haben die Farben, die Stimmungen und die ganze charismatische Kraft der Landschaft auf Leinwand zu bannen gewusst. Auch in der Literatur haben sich zahlreiche Künstlerpersönlichkeiten von der natürlichen Schönheit der Walliser Landschaft, der Authentizität der hiesigen Lebensart oder von dieser ganz besonderen Stille inspirieren lassen, die der Kreativität so zuträglich ist. Zermatten und Chappaz – im Herzen der Walliser fest verankert – haben mit viel dichterischem Geschick ihre Liebe zum heimatlichen Kanton beschrieben; Chappaz hat zuweilen auch seiner Wut Ausdruck verliehen. Ramuz hingegen hat das Wallis in seinem Elementaren und in seinem Überdimensionalen, in seinem Besonderen und in seinem Umfassenden, in seiner Wirklichkeit und in seiner Spiritualität begriffen. Und Rainer Maria Rilke hat im Wallis eine kosmische Dimension erkannt, “eine Spannung (…) zwischen den Sternen einer Konstellation“.

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